Existenzgründerkurse – Inhalte, Anbieter und Alternativen

Existenzgründerseminare und WeiterbildungAlljährlich bringt der Industrie- und Handelskammertag (DIHK) den Gründerreport heraus. Für das Jahr 2013 wurde in der Studie festgestellt, dass zwar weniger Existenzgründer den Schritt in die Selbstständigkeit wagten, diese aber bedeutend besser vorbereitet waren als noch die Gründer vor wenigen Jahren [hier gibts den Download]. Diese Entwicklung hat mit der Etablierung professioneller Existenzgründerkurse zu tun sowie mit der Erkenntnis, dass eine gute Vorbereitung das Risiko eines Scheiterns minimiert. Die meisten Gründungen scheitern aufgrund von Unwissenheit bzw. Unerfahrenheit. Gründer brauchen ein fundiertes und praxisorientiertes Wissen auf betriebs- und volkswirtschaftlichen Fachgebieten, allen voran natürlich in Buchhaltung, Steuerrecht, Marketing sowie Kundenakquise und Verwaltung. Ein guter Existenzgründungskurs verschafft Gründern eine solide Wissensbasis darüber, wie ein Unternehmen erfolgsorientiert geführt werden kann.

Existenzgründerseminar – verpflichtend für alle?

Der Besuch eines Existenzgründerseminars ist natürlich für einen Unternehmer in spe nicht zwingend Voraussetzung, um das Unternehmen erfolgreich am Markt zu platzieren. Allerdings vermittelt ein solches Seminar wertvolles Wissen über die betriebswirtschaftliche Praxis sowie volkswirtschaftliche Zusammenhänge, verschafft aber auch interessante Informationen über Finanzierungsmöglichkeiten. Gerade, wer den von der Arbeitsagentur angebotenen Gründungszuschuss beantragen möchte, ist mit dem Besuch eines Existenzgründungsseminars gut beraten. Laut § 57 SGB III sind Gründer, die aus der Arbeitslosigkeit heraus gründen wollen, verpflichtet, gegenüber der Arbeitsagentur „seine Kenntnisse und Fähigkeiten zur Ausübung der selbständigen Tätigkeit“ darzulegen. Dieser Nachweis lässt sich ganz einfach mit dem Besuch eines entsprechenden Seminars erbringen. Andererseits gibt es jedoch – gerade im regionalen Bereich – Fördertöpfe, die sich nur mit dem Nachweis eines Gründerseminars anzapfen lassen.

Aufbau und Inhalte von Existenzgründerkursen

Die meisten Existenzgründerkurse sind als Intensivkurs für einen Zeitraum über drei bis vier Tage hinweg konzipiert. Der Lernstoff ist in aller Regel branchenübergreifend angelegt und richtet sich zudem speziell an die Gründer von klein- und mittelständischen Unternehmen. Zunächst werden betriebswirtschaftliche und kaufmännische Grundlagen vermittelt, ohne die ein Erfolg eher unwahrscheinlich ist. Dabei wird ein großes Augenmerk vor allem auf die unternehmerischen Kernbereiche

  • Finanzen
  • Steuern
  • Planung und Organisation
  • Personal
  • Akquise und Marketing sowie – last but not least –
  • Buchhaltung

gelegt. Weitere betriebswirtschaftlich wichtige Themen sind u. a. auch

  • Kosten- und Leistungsrechnung
  • Finanzierung
  • Investition
  • Beschaffung und Einkauf
  • Unternehmensplanung
  • Marketingplanung und -strategien
  • Umsatz-, Kosten- und Gewinnplanung
  • Rechts- und Steuerwesen
  • Rechtsformen und Standortwahl sowie
  • Investitions- und Finanzierungsplan.

Des Weiteren sollte jeder Existenzgründungskurs handfeste praktische Hilfen geben, vor allem in Form von individueller Beratung durch den / die Seminarleiter sowie bei der Erstellung eines Businessplans bzw. Existenzgründungsplans. Ein Existenzgründerseminar sollte zudem nicht mit der letzten Unterrichtsstunde beendet sein, sondern auch in der Realisierungsphase Unterstützung bieten. Gute Seminare vermitteln nicht nur vorgegebenes Wissen, sondern ermöglichen auch gezielte Nachfragen seitens der Teilnehmer – sowie eine Schwerpunktverlagerung auf Themen, die speziell diese Seminargruppe interessieren. Manche Teilnehmer bringen vielleicht schon breite Kenntnisse in betriebswirtschaftlichen Belangen mit und wünschen sich eher die Beantwortung speziellerer Fragestellungen, andere wiederum – gerade, wenn die Jungunternehmer aus betriebswirtschaftlich fachfremden Bereichen kommen, beispielsweise aus der IT, bzw. keine Kaufleute sind – benötigen eine praxisorientierte Einweisung in betriebswirtschaftliche Themengebiete. Diese sehr verschiedenen Interessen gilt es, gewinnbringend für alle Teilnehmer zusammenzufassen, so dass tatsächlich jeder genau das Wissen mitnehmen kann, das er oder sie braucht.

Der Existenzgründungsplan / Businessplan

Um ein erfolgreiches Unternehmen zu gründen, ist eine tolle Idee nicht ausreichend. Das Geschäftskonzept sollte keineswegs eine vage Idee bleiben, sondern sich in Form eines Businessplans konkret manifestieren. In einem solchen beantworten Existenzgründer die Frage, wie eine Idee in ein tragfähiges Konzept – in einen regelrechten Geschäftsplan – umgesetzt wird. Die Ausarbeitung eines Existenzgründungsplans ist selbstverständlich keine Pflichtübung, bietet allerdings Gründern wertvolle Erkenntnisse sowie handfeste Vorteile. Wer sich intensiv mit einem solchen Geschäftsplan auseinandersetzt – bestenfalls unter kundiger Anleitung, wie diese innerhalb eines Existenzgründungsseminars geboten wird – erkennt die Schwachstellen besser und kann so bereits vor der Realisierung des Unternehmens gegensteuern und so einem Scheitern vorbeugen. Häufig wird etwa der Fehler begangen, betrieblichen Notwendigkeiten wie zum Beispiel der Kundenakquise und Auftragsbeschaffung nicht genug Raum sowie nicht genug monetäre Mittel zu gewähren. Gerade Nichtkaufleute neigen bei einer Unternehmensgründung dazu, dem eigentlichen Inhalt des Unternehmens – dem Produkt oder der Dienstleistung – allen Raum zuzugestehen, vergessen darüber aber die fürs Überleben und den Erfolg notwendigen betriebswirtschaftlichen Tätigkeiten. Auch in puncto Finanzierung schöpfen viele Gründer ihre Möglichkeiten nicht aus bzw. unterschätzen den finanziellen Bedarf, den sie und die Firma gerade in den ersten beiden Jahren haben.

Ein Existenzgründungsplan hilft also dabei, das Vorhaben „eigenes Unternehmen

  • konkret und realitätsnah zu planen sowie
  • diese Planung anschließend in die Tat umzusetzen.

Die Erstellung des Businessplans ist auch aus einem anderen Grund äußerst wichtig. Die wenigsten Unternehmen können die Startphase ohne eine Finanzierung von außen überstehen. Im Mittel dauert es mindestens zwei bis drei Jahre, bis die selbstständige Arbeit Früchte trägt und das Unternehmen Gewinne erzielt. Zunächst gilt es, sich am Markt zu etablieren, Kunden und Aufträge zu gewinnen sowie, sich einen guten Namen zu erarbeiten. Aus diesem Grund müssen die meisten Existenzgründer zunächst auf eine Fremdfinanzierung zurückgreifen, wofür ein überzeugender Businessplan unerlässlich ist. Alle Kreditgeber – ob Banken oder staatliche bzw. EU-Fördergelder – verlangen einen hieb- und stichfesten Existenzgründungsplan, aus dem hervorgeht, dass der Gründer das nötige Wissen, den nötigen Elan, die Einsatzbereitschaft sowie natürlich ein gutes Produkt oder eine gefragte Dienstleistung besitzt. Kurz, der künftige Unternehmer muss mit seinem betriebswirtschaftlich fundierten Plan überzeugen. Im Rahmen eines Existenzgründerseminars helfen erfahrene Berater dabei, einen solchen Businessplan zu erstellen – einen, der sowohl die Kreditgeber überzeugt wie auch dem Gründer bei der Umsetzung seines Ziels hilft.

Der Gründungszuschuss und andere Finanzierungstöpfe

So ist der Existenzgründungsplan etwa auch für die Beantragung des Gründungszuschusses unbedingt vonnöten, der Arbeitssuchenden von der Bundesagentur für Arbeit gewährt werden kann. Diesen tatsächlich zu erhalten, gleicht allerdings einem Glücksspiel, seitdem es sich nicht mehr um eine Muss- sondern eine im Ermessen des Sachbearbeiters liegende Kann-Leistung handelt. Wer einen Gründungszuschuss beantragen möchte, sollte seinen Existenzgründungsplan speziell auf dessen Bedingungen aufbauen. So erhalten Arbeitslose diesen etwa nur dann, wenn sie

  • als Angestellte auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht oder nur schwer vermittelbar sind und
  • ihr Unternehmen in den ersten sechs Monaten nicht ohne den Gründungszuschuss betreiben können.

Gründer sind allerdings nicht auf die Gnade des Sachbearbeiters der Arbeitsagentur angewiesen, da sie auch auf andere Fördertöpfe zurückgreifen können. Kredite speziell für Existenzgründer bietet etwa zu sehr guten Konditionen die staatliche KfW-Bank. Aber auch einzelne Bundesländer bieten Gründern finanzielle Starthilfen. Des Weiteren gibt es noch die Möglichkeit, EU-Gelder zu beantragen. In manchen Bereichen ermöglichen auch Stiftungen eine Existenzgründung, etwa direkt aus der Universität heraus. Wer gründen möchte, wendet sich am besten an einen spezialisierten Unternehmensberater oder an die örtliche Industrie- und Handelskammer bzw. die Handwerkskammer. Die beiden letztgenannten Institutionen beschäftigen meist eigens eine Abteilung mit Fachleuten, die nur für die Beratung von Existenzgründern da sind.

Anbieter von Existenzgründerkursen

Wer gründen möchte, wendet sich am besten an die Fachleute der örtlichen Industrie- und Handelskammer bzw. der Handwerkskammer. Daneben bieten auch private Institutionen sowie spezialisierte Unternehmensberater ihre Dienste an. Weitere Anbieter von Existenzgründungskursen sind:

  • Universitäten und Hochschulen
  • Projekte, die von einigen Bundesländern ins Leben gerufen worden sind.

Auch auf den sogenannten Gründermessen können sich potenzielle Unternehmer umfassend informieren und wichtige Kontakte knüpfen.

Eine weitere Option: Existenzgründerkurs per Fernunterricht

Idee von einem FernstudiumViele Fernschulen bieten hervorragende Gründerseminare an, die sich explizit an Unternehmer wenden, die den Lernstoff lieber für sich und in eigenem Tempo erarbeiten wollen. Die Angebote unterscheiden sich dabei stark, vom einfachen betriebswirtschaftlichen Grundkurs bis hin zum hochprofessionellen Gründerkurs ist für jeden das richtige dabei. Ein weiterer Vorteil des Online-Lernens besteht darin, dass man bekannte Themen einfach überspringen, dabei aber unbekannte vertieft studieren kann. Im Web gibt es auch umfangreiche Informationsquellen hierzu, aber auch die Fernschulen bieten eine umfassende Beratung u. a. bei der Erstellung des Existenzgründerplans.